=/\= Persönliches Logbuch von Soleta =/\=

  • Zeitpunkt: nach Sonderbordleben - erstes kennen lernen


    "Computer, die folgende Aufzeichnung verschlüsseln und nur mit persönlicher Zustimmung freigeben. Aufzeichnung beginnen."

    Persönliches Logbuch von Lieutenant Commander Soleta, Sternzeit 54854,5. Es ist jetzt genau 22 Uhr Bordzeit, mein Dienst als Leitender Wissenschaftsoffizier hier an Bord der Shenzhou beginnt also in 8 Stunden. Genügend Zeit also, um über die Ereignisse der letzten Stunden nachzudenken. Ich habe jetzt einen Teil der Führungsoffiziere kennengelernt und meine Eindrücke sind...gemischt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass jeder mit dem angemessenen Maß an Motivation an die neue Aufgabe herangeht, es ist jedoch genauso unbestreitbar, dass die mangelnde Erfahrung nur schwer zu kompensieren sein wird. Die logische Konsequenz ist, dass unser erster Auftrag dem Erfahrungsniveau der Besatzung entspricht. Einige scheinen dennoch eine gewisse Enttäuschung an den Tag zu legen. Haben sie tatsächlich zu hohe Erwartungen an ihre erste Mission gehabt oder beabsichtigen sie damit ihre Motivation zu erhöhen? Vor allem bei Menschen fällt es mir sehr schwer darauf eine logische Antwort zu finden. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass es sehr faszinierend sein wird diesem Homogenisierungsprozess beizuwohnen.

    Commander Rix macht auf mich einen sehr bemühten, wenn auch etwas verkrampften Eindruck. Sicherlich hängt das mit der Tatsache zusammen, dass es ihr erstes Kommando ist. Auch Valeris wirkt weniger gelassen, als ich sie in Erinnerung habe. Aber vielleicht täusche ich mich da auch und diese Eindrücke werden durch meine eigene, nicht unkomplizierte Persönlichkeit hervorgerufen. Der heutige Tag wird es jedenfalls nicht leichter machen, mit meiner romulanischen Persönlichkeit umzugehen.

    Mutter ist tot.

    Das war auch der Grund, warum ich keinen Artikel von ihr in den aktuellen Berichten der vulkanischen Wissenschaftsakademie gefunden habe. Und es war auch der Grund, warum ich Volak kontaktieren sollte. Der Tod ist ein natürlicher Prozess, den ich als Bestandteil unserer Existenz akzeptiert habe. Und trotzdem, als Volak mir mitteilte, dass T'Pas an einem bisher nicht hinreichend erforschten Virus erkrankt und letztlich an den Folgen der Erkrankung verstorben ist, spürte ich plötzlich wieder diese unkontrollierten emotionalen Regungen in mir. Wut, Trauer, Verzweiflung, all diese Gefühle, die ich bisher nach besten Kräften versucht habe zu unterdrücken, ließen sich auf einmal nicht mehr zurückhalten. Ich weiß, dass ich Volak angeschrien habe, warum er mich nach 14 Jahren ausgerechnet mit so einer Nachricht konfrontiert. Ich habe ihn noch nie so überrascht und erschüttert gesehen, sicher hatte er das von seiner Tochter...seiner Ziehtochter nicht erwartet. Im nachhinein muss ich gestehen, dass ich von meinem Auftreten selbst sehr überrascht und erschüttert war. Aber was mich wohl am meisten erschüttert hat, war Volaks Gesichtsausdruck, als er mir die Todesnachricht überbrachte. Volak gehört zu den diszipliniertesten Vulkaniern, die ich kennen gelernt habe, doch in diesem Moment schien dieses solide Fundament an Disziplin und Zurückhaltung zu bröckeln, sich gänzlich aufzulösen. Wie sehr musste er Mutter wohl geliebt haben, um sich derart verletzlich zu zeigen? Und das ausgerechnet mir gegenüber. Ich...weiß nicht...ich...

    Wir haben genau zwei Minuten und siebzehn Sekunden kein Wort gesprochen, keiner von uns beiden schien in der Lage zu sein, etwas sinnvolles zu sagen. Das einzige, was mir einfiel, war Volak zu versprechen, nach Vulkan zurückzukehren, sobald diese Mission abgeschlossen ist. Ein großes Versprechen, wenn man bedenkt, weshalb ich meine Heimat und vor allem Volak verlassen habe. Doch irgendwie scheint das nun völlig Bedeutungslos geworden zu sein. T'Pas...Mutter...ich hätte sie gerne noch einmal gesehen, nun bleibt mir das verwehrt.

    Ich habe noch keine konkreten Pläne, aber ich habe das Gefühl, dass Volak mich jetzt mehr braucht als je zuvor. Die vulkanische Wissenschaftsakademie hat mir bereits einen Posten als Dozentin angeboten und nach bisheriger Lage der Dinge erscheint es mir am logischsten diesen Posten anzunehmen. Was zur Folge hätte, dass ich meinen Dienst in der Sternenflotte beende. Ich schätze es nicht, Entscheidungen vor mir herzuschieben, aber nun steht erst einmal die Mission im Vordergrund. Danach ist immer noch genügend Zeit eine Entscheidung zu überdenken. Und bis dahin halte ich es nicht für logisch Commander Rix oder sonst jemanden mit meinen möglichen Absichten zu konfrontieren.

    Im Moment kann ich meine Gefühle nicht einordnen, es ist alles so verwirrend. Ich verstehe nicht, wie Menschen mit diesem Chaos leben können, wenn ich Valeris nicht deswegen schon respektieren würde, täte ich es spätestens jetzt.

    Vielleicht sollte ich noch etwas trainieren gehen, das hat mir bisher immer geholfen. Mein Trainingsprogramm habe ich ja schon in den Bordcomputer überspielt...Holodeck 2 ist auch gegenwärtig verfügbar...

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  • Zeitpunkt: nach Missionsleben I: Initium novum


    "Computer, die folgende Aufzeichnung verschlüsseln und nur mit persönlicher Zustimmung freigeben. Aufzeichnung beginnen."

    Persönliches Logbuch von Lieutenant Commander Soleta, Sternzeit 76476,4.

    Es scheint ganz offensichtlich eine natürliche Fügung zu sein, dass meine Welt regelmäßig ins Chaos gestürzt wird. Nach dem heutigen Tag sind jedenfalls sämtliche Pläne, die ich für mein Leben nach dieser Mission gemacht habe, hinfällig geworden. Mehr als das. Den Gesetzmäßigkeiten der Quantenmechanik zufolge befinden wir uns in einem von unendlich vielen Universen, welches jedoch nicht unser ursprüngliches ist. Wir befinden uns nicht einmal in unserer eigenen Zeit. Und es gibt für uns kein Zurück mehr. Ich habe natürlich meine eigenen Thesen aufgestellt, bin meinen eigenen Theorien gefolgt, doch egal wie ich es auch drehe und wende, zu versuchen unser eigenes Universum wiederzufinden entspräche dem Versuch ein Sandkorn in die Wüste zu werfen und exakt jenes Sandkorn auf anhieb wiederzufinden. Ich habe gesagt, dass der Zugang in unser Universum zerstört wurde, das stimmt nur bedingt. Vielleicht habe ich einen von tausenden zerstört oder einen von Millionen. Vielleicht auch einen von zweien, keiner vermag das zu sagen. Vielleicht wird man mir vorhalten, dass ich uns allen die Hoffnung zunichte mache, aber ist es logisch einer Hoffnung hinterherzujagen die sich vielleicht nie erfüllen wird? Soll aus Hoffnung irgendwann Verzweiflung werden? Aus verzweiflung Zorn? Wenn ich diese Möglichkeiten gegneinander abwäge, komme ich zu den Schluss, das es besser ist neu anzufangen als ewig zu hoffen, auch wenn ich mich dadurch schuldig mache. Was macht das noch für einen Unterschied, wo ich mich doch bereits schuldig gemacht habe? Es heißt, der kommandierende Offizier eines Schiffes sei für die Handlung seiner Offiziere verantwortlich, dem kann ich nur zum Teil zustimmen. Denn es sind die Offiziere die die Pflicht haben ihren kommandierenden Offizier nach bestem Wissen zu beraten und ihm eine Entscheidung vorzuschlagen. Konsequenterweise kann ich mich also nicht vor meiner Verantwortung drücken. Ich habe alle Möglichkeiten abgewägt und die logischste und erfolgversprechendste Vorgehensweise vorgeschlagen. Deshalb sind wir jetzt hier, das ist der Teil der Schuld, die ich zu tragen habe. Und als ob das nicht schon genug wäre, muss ich mit ansehen, wie Valeris darunter leidet. Sie zeigt es nicht offen, natürlich tut sie das nicht, genauso wenig wie ich. Doch als meine geistige Verbindung zu Volak abbrach, wusste ich, was sie durch mich verloren hatte. Bewusst wurde es mir allerdings erst heute abend beim Empfang. Sie alleine dort stehen zu sehen, allein mit ihrem Schmerz...was für eine Freundin bin ich für sie? Ich habe ihr alles genommen, was ihr lieb und teuer war. Für mich spielt es dabei keine Rolle, dass wir nur so unser Universum retten konnten, ich werde immer diejenige sein, die ihr alles genommen hat. Ich weiß, dass diese Gedanken unlogisch sind und völlig meiner vulkanischen Erziehung widersprechen, doch im Moment habe ich das Gefühl sie nicht kontrollieren zu können. Ich kann nur hoffen, dass mir eine von Volaks Übungen hilft, meinen Geist wieder in Einklang zu bringen. Ich muss die Verzweiflung und die Angst aus meinen Gedanken entfernen, denn so bin ich niemandem von Nutzen. Einmal mehr verfluche ich die Tatsache, dass romulanisches Blut durch meine Adern fließt, einmal mehr wünsche ich einen Weg aus diesem Konflikt zu finden, der mich schon mein ganzes Leben begleitet.

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